Feststellung der Pflegebedürftigkeit

Menschen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung bei gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen Hilfe benötigen, gelten als pflegebedürftig. Die Pflegebedürftigkeit beruht darauf, dass die Fähigkeit, bestimmte Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auszuüben, eingeschränkt oder nicht vorhanden ist. Der Hilfebedarf muss auf Dauer, mindestens aber für voraussichtlich sechs Monate vorliegen. Diese Zeitspanne kann unterschritten werden, wenn die zu erwartende Lebensspanne voraussichtlich weniger beträgt. 

In den Pflegebedürftigkeitsrichtlinien sind diese Verrichtungen aufgeführt

  1. Im Bereich der Körperpflege: Waschen, Duschen, Baden, Zahn- und Mundpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- und Blasenentleerung.
  2. Im Bereich der Ernährung: das mundgerechte Zubereiten und die Aufnahme der Nahrung.
  3. Im Bereich der Mobilität: selbstständiges Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.
  4. Im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung: Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung sowie Beheizen.

Übersicht Pflegestufen

Eingeteilt wird in drei Stufen der Pflegebedürftigkeit, je nach dem, wie oft täglich die Hilfe bei den vorgenannten Verrichtungen notwendig ist und welchen Umfang der Hilfebedarf einnimmt.

Pflegestufe I – Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Hilfebedarf bei mindestens zwei Verrichtungen pro Tag und 90 Minuten Zeitaufwand im Tagesdurchschnitt; hierbei müssen auf die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung und Mobilität) mehr als 45 Minuten entfallen.

Pflegestufe II – Schwerpflegebedürftigkeit

Hilfebedarf bei mindestens drei Verrichtungen pro Tag zu verschiedenen Tageszeiten und drei Stunden Zeitaufwand im Tagesdurchschnitt; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen.

Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit

Hilfebedarf rund um die Uhr, mindestens fünf Stunden Zeitaufwand im Tagesdurchschnitt; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen. 

Bei allen drei Pflegestufen kommt Hilfebedarf bei hauswirtschaftlicher Versorgung hinzu, wobei der pflegerische Aufwand im Vordergrund stehen muss. Die Feststellung der Pflegebedürftigkeit erfolgt durch den Medizinischen Dienst der gesetzlichen oder privaten Pflegekasse (MDK). Sofern die Versorgung selber sichergestellt und nicht durch einen ambulanten Pflegedienst durchgeführt wird, besteht ein Anspruch auf Beratung im Haushalt durch eine zugelassene Pflegeeinrichtung. So ist gewährleistet, dass die Pflege fachgerecht durchgeführt wird.

Anträge auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit sind an die gesetzliche oder private Pflegekasse zu stellen. In besonderen Fällen können die „Härtefall-Richtlinien bei der ambulanten Pflege“ in Anspruch genommen werden, und zwar bei außergewöhnlich hohem Pflegeaufwand wie bei Krebserkrankungen im Endstadium und bei Patienten im Wachkoma.

Vorgehen bei „falscher“ Einstufung bzw. Ablehnung

Falls der Pflegebedürftige mit der jeweiligen Entscheidung nicht einverstanden ist, kann er Widerspruch einlegen. Wird der Widerspruch abgewiesen, kann Klage beim Sozialgericht erhoben werden. Wichtig ist hierbei, dass die in den Bescheiden / Mitteilungen enthaltenen Fristen für den Widerspruch oder für eine Klage beachtet und eingehalten werden. Ein Widerspruch ist formlos möglich. Es empfiehlt sich jedoch, den Widerspruch schriftlich unter Angaben von Gründen bei der gesetzlichen Pflegekasse bzw. dem Träger der privaten Pflegeversicherung einzulegen.

Geprüft: Januar 2016 / Frauenselbsthilfe nach Krebs

Logo der Deutsche Krebshilfe
Logo der Organisation Gesundheitsziele.de
Logo der Organisation afgis-Transparenzkriterien