Häusliche Pflege

Zur häuslichen Pflege im Sinne der Pflegeversicherung zählen alle Leistungen, die ein pflegebedürftiger Mensch zu Hause erhält. Es gibt zwei Möglichkeiten, häusliche Pflege in Anspruch zu nehmen. Entweder gewährt Ihnen die Pflegekasse die entsprechende Sachleistung (Bezahlung der Pflegeeinsätze von ambulanten Diensten und Sozialstationen), oder Sie erhalten Pflegegeld, mit dem Sie selbst die Pflege durch geeignete Kräfte sicherstellen. Es gibt auch die Möglichkeit, Geld- und Sachleistungen zu kombinieren. Die Entscheidung hierfür muss für mindestens sechs Monate getroffen werden. Bei Aufenthalt im Krankenhaus von mehr als 28 Kalendertagen ruht der Anspruch auf Pflegegeld.
Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, die noch nicht die Voraussetzungen für eine Einstufung in die Pflegestufe I erfüllen, haben einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen. Man spricht hier von der sogenannten "Pflegestufe 0". Wenn die Pflegebedürftigkeit nachgewiesen ist und Pflegekosten tatsächlich anfallen, können diese bereits bei der „Pflegestufe 0“ steuerlich abgesetzt werden.

Leistungen der Pflegekasse für häusliche Pflege

Pflegesachleistung

Pflegesachleistungen können für die Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst eingesetzt werden. Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist das Vorliegen einer Pflegestufe, nach der sich auch die Höhe der Leistung richtet. Die Leistungen werden direkt zwischen dem Pflegedienst und der Pflegeversicherung abgerechnet und können außerdem mit dem Pflegegeld kombiniert werden. 

Geldleistungen

Wenn Angehörige oder Ehrenamtliche die Pflege übernehmen, kann Pflegegeld in Anspruch genommen werden. Seine Höhe richtet sich nach der Pflegestufe. Eine Kombination mit Pflegesachleistungen ist möglich. 

Näheres zur Höhe der Pflegesachleistungen und dem Pflegegeld können Sie unseren Sozialen Informationen entnehmen.

Beträge für Ersatzpflege oder Pflegevertretung

Bei der Ersatzpflege oder Pflegevertretung gibt es die Unterscheidung in Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege.

Verhinderungspflege kommt in Frage, wenn der Pflegefall seit mindestens sechs Monaten besteht und die Pflege durch eine andere als die übliche Pflegeperson, z.B. während deren Urlaub oder Krankheit, geleistet wird. Sie wird bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr gewährt.

Die Ersatzpflege wird für längstens 42 Tage je Kalenderjahr gewährt und pro Jahr mit 1.612 Euro vergütet. Wenn sie durch Verwandte oder Verschwägerte bis zum zweiten Grad oder andere Haushaltsangehörige geleistet wird, besteht Anspruch auf Pflegegeld. Außerdem können bis zu 50 % des Leistungsbetrages für Kurzzeitpflege (das sind bis zu 806 Euro) zusätzlich für Verhinderungspflege ausgegeben werden.

Demenzkranke erhalten auch ohne Pflegestufe die Leistungen der Verhinderungspflege, wenn ein anerkannter erheblicher Betreuungsbedarf (§ 45 a SGB XI) vorliegt. Die zusätzlichen monatlichen Betreuungsleistungen (100/200 Euro) bleiben erhalten.

Kurzzeitpflege wird für acht Wochen je Kalenderjahr gewährt und mit höchstens 1.612 Euro pro Kalenderjahr vergütet. Der für das Kalenderjahr bestehende, noch nicht verbrauchte Leistungsbetrag für Verhinderungspflege kann für Leistungen der Kurzzeitpflege eingesetzt  und dadurch maximal verdoppelt werden. Die Zeit der Kurzzeitpflege kann aber auch in Anspruch genommen werden, um z.B. dem pflegenden Angehörigen einen Urlaub, ein Reha-Maßnahme oder einen Krankenhausaufenthalt zu ermöglichen, während der Versicherte in dieser Zeit stationär untergebracht wird. Wichtig ist, dass die stationäre Kurzzeitpflege in mit der Pflegekasse vertraglich vereinbarten Kurzzeitpflegeeinrichtungen erbracht wird. Eine „Vorpflegezeit“ muss nicht bestanden haben.

Beträge für Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Versorgung)

Unter Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Versorgung) versteht man die zeitweise Betreuung im Tagesverlauf in einer Pflegeeinrichtung. Dabei übernimmt die Pflegekasse die Pflegekosten, die Aufwendungen der sozialen Betreuung und die Kosten der medizinischen Behandlungspflege. Darin enthalten sind auch die Kosten der morgendlichen und abendlichen Hol- und Bringdienste der Einrichtungen. Die Kosten für Verpflegung müssen dagegen privat getragen werden.

Gewährt wird teilstationäre Pflege, wenn die häusliche Pflege nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden kann oder wenn dies zur Ergänzung und Stärkung der häuslichen Pflege erforderlich ist.

Die Höhe der Leistung der Pflegeversicherung für die teilstationäre Tages- und Nachtpflege Pflegebedürftiger können Sie unseren Sozialen Informationen entnehmen.

Die Tagespflege kann ohne Anrechnung auf die Sachleistung bzw. das Pflegegeld bezogen werden. Bitte wenden Sie sich für weitere Auskünfte an Ihre zuständige Pflegekasse bei Ihrer Krankenkasse.

Beträge für Pflegehilfsmittel und technische Hilfen

Ein Anspruch auf Pflegehilfsmittel und technische Hilfen oder deren leihweise Überlassung besteht grundsätzlich, wenn

  • sie zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen beitragen oder
  • dessen selbstständigere Lebensführung ermöglichen und
  • die Versorgung wirtschaftlich und notwendig ist.

Eine ärztliche Verordnung ist nicht notwendig. Die Pflegekasse prüft die Notwendigkeit der Versorgung ggf. unter Beteiligung des Medizinischen Dienstes.

Die leihweise Überlassung von technischen Hilfsmitteln ist vorrangig und erfolgt i.d.R. über die gesetzliche Pflegeversicherung. Lehnen Betroffene die leihweise Überlassung ohne zwingenden Grund ab, besteht kein Anspruch auf Leistung. Ist eine leihweise Überlassung nicht möglich, werden die Aufwendungen zu 100 % erstattet. In diesem Fall ist ab dem 18. Lebensjahr eine Selbstbeteiligung von 10 % (maximal 25 Euro je Pflegehilfsmittel) zu erbringen. In der Regel werden die Kosten für das notwendige Pflegehilfsmittel direkt mit dem Vertragspartner der Pflegekasse abgerechnet.

Die Aufwendungen für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel werden je Kalendermonat bis zu 40 Euro erstattet oder zwischen Pflegekasse und einem Vertragspartner (z.B. einem Sanitätshaus) direkt abgerechnet.

Für Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes können je Maßnahme bis zu 4.000 Euro gewährt werden. Die Höhe des Zuschusses bemisst sich nach den Kosten der Maßnahme sowie eines angemessenen Eigenanteils in Abhängigkeit vom Einkommen des Pflegebedürftigen. Ein Pflegehilfsmittelverzeichnis gibt Auskunft darüber, welche Pflegehilfsmittel finanziert oder leihweise zur Verfügung gestellt werden. Es ist erhältlich bei den Pflegekassen und zum Teil in Sanitätshäusern.

Leistungen zur sozialen Sicherung einer Pflegeperson

Pflegepersonen sind Menschen, die Pflegebedürftige ohne das Ziel des Erwerbs von Einkommen pflegen (ehrenamtliche Pflegepersonen). Zur sozialen Absicherung von Pflegepersonen können Rentenbeiträge entrichtet werden,

  • soweit die Pflegeperson die Pflege nicht erwerbsmäßig ausübt,
  • neben der Pflege regelmäßig nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig ist,
  • keine Altersrente bezieht und
  • für mindestens 14 Stunden pro Woche die Pflege übernimmt.

Erfüllen Pflegende diese Voraussetzungen, sind sie grundsätzlich rentenversichert. Die Pflegekassen übernehmen die vollen Rentenversicherungsbeiträge. Zusätzlich sind sie bei allen Tätigkeiten, die mit der Pflege zusammenhängen, über den zuständigen Unfallversicherungsträger gesetzlich unfallversichert. Hier ist der Umfang der geleisteten Pflege unwichtig. Kehren Pflegende nach dem Ende einer rentenversicherten Pflegetätigkeit wieder ins Berufsleben zurück, können sie mit Hilfen vom Arbeitsamt rechnen.

Geprüft: Dezember 2015 / Frauenselbsthilfe nach Krebs

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